Im Kurpfälzischen Museum Heidelberg findet derzeit eine besondere Ausstellung statt. Dort werden Gemälde aus dem Museum für Westliche und Östliche Kunst in Odessa gezeigt. Diese Kunstwerke wurden aus der Ukraine nach Deutschland gebracht, um sie vor den Folgen des Krieges zu schützen.
Das Besondere an der Ausstellung ist, dass die Bilder aus Odessa direkt neben Werken aus deutschen Sammlungen hängen. So entsteht ein Dialog zwischen Künstlern aus verschiedenen Ländern und Zeiten. Man sieht, wie eng die europäische Kunst miteinander verbunden ist- auch über Grenzen hinweg.

Eine Reise durch Kunst und Geschichte
In der Ausstellung sind rund 50 Gemälde zu sehen. Sie zeigen Landschaften, Städte, Porträts sowie biblische und mythologische Motive. Viele Bilder erzählen von der Geschichte Odessa als internationaler Hafenstadt, in der Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenlebten.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Odessa schon im 18. und 19. Jahrhundert stark von Europa geprägt war. Die Gemeinsamkeiten zwischen den Gemälden aus Odessa und Heidelberg sind klar erkennbar – besonders im Umgang mit Licht, Farben und Themen.
Eine besondere Vorlesung am 15. Januar
Am 15. Januar hatte ich die Möglichkeit, eine begleitende Veranstaltung im Museum zu besuchen. Die Gesprächsrunde trug den Titel „Odessa in Geschichte und Gegenwart“.
Die Vorlesung wurde von Prof. Dr. Tanja Penter, Expertin für osteuropäische Geschichte und Dr. Bettina Kaibach, Literaturwissenschaftlerin und literarische Übersetzerin, geleitet. Beide arbeiten an der Universität Heidelberg. Sie sprachen über die Entstehung der Stadt Odessa und darüber, wie sich ihre Geschichte entwickelt hat. Ein wichtiger Teil des Abends waren auch die sogenannten „Mythen von Odessa“, die vor allem aus der Literatur bekannt sind. Dabei spielte der jüdische Schriftsteller Isaak Babel eine besondere Rolle.
Die Referentinnen erklärten, wie Literatur das Bild der Stadt geprägt hat und warum Odessa bis heute als eine Stadt mit vielen Geschichten, Stimmen und Identitäten gilt.
Ein sehr persönlicher Moment
Dieser Abend hat mich tief berührt. Ich war emotional bewegt.
Mitten in Deutschland, weit weg von der Ukraine, hatte ich plötzlich das Gefühl, meine Stadt wieder ganz nah bei mir zu haben. Die Bilder, die Worte und die Geschichten haben mir gezeigt, dass Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern auch ein Gefühl.
Odessa war an diesem Abend nicht nur ein Thema – sondern auch spürbar. In den Farben der Gemälde, in den Erzählungen und in der Erinnerung.




Ausstellung noch bis März 2026
Die Ausstellung im Kurpfälzischen Museum Heidelberg ist noch bis zum 22. März 2026 geöffnet.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen und Odessa durch Kunst und Geschichte neu zu entdecken.
Ein Tipp von Karin:
Dieser Artikel ist sicher in erster Linie für Menschen aus der Ukraine interessant. Aber es zeigt sich, dass man Ausstellungen, Vorträge oder Treffen für Geflüchtete vieler Nationen finden kann. Man muss nur mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag gehen. Mal im Internet oder auch in der Presse lesen. Oder auch mal Aushänge von Plakaten anschauen und lesen. So gab es z.B. im vergangenen Jahr eine Fotoausstellung über Geflüchtete allgemein in Heppenheim oder einen Informationsabend von und über Kurden in Zwingenberg. Dazu sogar landestypisches Essen und viele interessante Begegnungen.


















